
Andreas Embirikos’ Oktana gehört zu den grossen visionären Werke des griechischen Surrealismus. Das monumentale Langgedicht entwirft keine Flucht aus der Wirklichkeit, sondern eine poetische Vision eines neuen Menschseins und einer neuen Weise, die Welt zu bewohnen. In einer Folge ahnungsvoller Bilder entfaltet Embirikos ein Universum, in dem Eros, Freiheit, Verbundenheit und schöpferische Energie die tragenden Kräfte einer ersehnten Zukunft bilden. Städte, Landschaften, Menschen verweben sich zu einer grenzenlosen poetischen Welt, in der Geschichte und Imagination untrennbar ineinander übergehen. Rhythmisch, beschwörend und von prophetischer Wucht ist Oktana zugleich Hymnus, Verheissung und Aufruf zur Mitgestaltung einer neuen Kosmogonie.
Die Performance tritt in einen schöpferischen Dialog mit Oktana. Sie versteht den Text nicht als Vorlage für eine lineare Bühnenadaption, sondern als poetisches Material und als Ausgangspunkt für eine eigene szenische Komposition. Aus Embirikos’ Sprachwelt entstehen in Verbindung mit weiteren literarischen, klanglichen und bildnerischen Impulsen neue Konstellationen. Stimme, Klang, Körper und Raum verbinden sich zu einer immersiven Bühnenlandschaft, in der die Vision des Gedichts eine neue Gegenwart gewinnt.
Foto: Stefan Schmidlin
Die Performance «REMEMBER THE FUTURE» entsteht im Rahmen des Round Table «DIE ZUKUNFT ERINNERN. DEKOLONIALITÄT NEU DENKEN» von Mission 21, die sich selbstkritisch mit der Verflechtungsgeschichte von Mission und Kolonialismus auseinandersetzt. Die Zusammenarbeit verankert die künstlerische Auseinandersetzung von PLOŨS mit Erinnerung, Macht und Zukunft in einem historisch wie gegenwärtig relevanten Kontext.
Mission-21 - Roundtable 15./16. Oktober 2026 - Museum der Kulturen Basel. Die Vergangenheit prägt Erinnerungen. Das gilt für Einzelne ebenso wie für Gesellschaften. Aber kann auch Zukunft erinnert werden? Der Round Table 2026, widmet sich diesem Thema und lädt zum Nachdenken und Austausch «gegen den Strom» ein. Wir schlagen vor, Erinnerung nicht ausschliesslich als vergangenheits-, sondern als zukunftsorientieren Prozess zu verstehen: Wie gelingt es Menschen, ihr Zusammenleben im Bewusstsein für zu heilende Wunden – etwa aufgrund überlieferter Feindschaften, Kriege oder gewaltsamer Unterwerfung – friedlich zu gestalten? Der Round Table will einen Raum schaffen, sich dieser Frage ganz bewusst auch aus der Perspektive künftiger Generationen zu stellen. Dekolonialität kann so einen kreativen, ethischen Hoffnungsorizont aufzeigen. Hierfür sollen Anregungen aus verschiedenen Praxisfeldern sowie historischen und kulturellen Kontexten herangezogen werden. Mission 21 Missionsstrasse 21 4055 Basel www.mission-21.org bildung@mission-21.org
Aufführung
Donnerstag, 15. Oktober 2026, 19:30
Museum der Kulturen Basel
Mitwirkende
Regie / Konzept / Künstlerische Leitung Antonis Michalopoulos
Produktionsleitung / Vermittlung / œil extérieur Flavia Kistler
Installation Elli Moustaka
Musik / Sounddesign Tassos Tataroglou
Darsteller:innen Antonis Michalopoulos, Chara Ioannou, NN
Beratung / Organisation Manuel Menrath
Kooperationspartner
Mission 21, Museum der Kulturen Basel, Stanzerei Baden, Verein Endlich Mittwoch
DIE ZUKUNFT ERRINERN - Mehr zum Thema
Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Entwicklung, Veränderung, Transformation und Erneuerung - zugleich aber von Feindschaft, Kriegen, Gewalt, Unterdrückung, Konkurrenz und Ungleichheit. Fortschritt beruhte immer wieder auf der Unterwerfung, Ausbeutung und sogar Vernichtung anderer. Macht- und Gewaltverhältnisse haben sich tief in gesellschaftliche Vorstellungen eingeschrieben – auf Seiten der Mächtigen ebenso wie der Unterworfenen – und wurden als Normalität, Ordnung oder Überlegenheit verinnerlicht. Die Logik des Kolonialismus ist hierfür ein prägnantes Beispiel. Von Hesiods Theogonie, Homers Ilias und Aischylos’ Prometheus Desmotes über Becketts Warten auf Godot und Orwells 1984 bis hin zu den Stimmen postkolonialer und aussereuropäischer Literatur ist die Kunst durchzogen von Zeugnissen von Herrschaft und Unterwerfung, menschlicher Gewalt und den tiefen Wunden, die sie hinterlässt. Die Erinnerung an Verbrechen, Gewalt und menschliche Tragödien ist Voraussetzung für Heilung, Anerkennung, Wiedergutmachung und eine globale, gerechte Entwicklung einzufordern. Doch Erinnerung trägt zugleich die Schatten vergangener Trauma und Aggressionen in sich. Sie wirkt – bewusst oder unbewusst – in die Gegenwart hinein und prägt die Dynamiken, aus denen Zukunft entsteht. Es braucht deshalb eine produktive Spannung zwischen der Kenntnis der Vergangenheit, dem Verständnis der Gegenwart und der Offenheit einer noch nicht festgelegten Zukunft. Wie können wir Zukunft entwerfen, als wäre sie noch unbeschrieben, ohne dabei zu vergessen und ohne im luftleeren Raum neu zu beginnen? Wie bewegen sich Geist, Psyche und Handeln zwischen Erinnerung und Vergessen? Wie können wir Zusammenhalt bewahren und zugleich schöpferischen Wandel ermöglichen? Historiker, Forscher und Wissenschaftler analysieren die Vergangenheit und die gesellschaftlichen Dynamiken, die aus ihr hervorgehen. Politik, Aktivismus und Zivilgesellschaft versuchen, Veränderung in konkrete Praxis zu übersetzen. Doch welche Rolle kann die Kunst in diesem Prozess übernehmen? Kunst kann in das individuelle und kollektive Gedächtnis, in das Unbewusste, das Irrationale, das Triebhafte vordringen. Sie kann dem, was verdrängt, marginalisiert, unausgesprochen oder unfassbar bleibt, eine Stimme und eine Form geben. Sie kann Möglichkeiten des Wirklichen entwerfen, bevor sie Realität werden: einen Raum, in dem Zukunft nicht nur gedacht, sondern imaginiert, ersehnt und innerlich erfahren werden kann. Gerade darin liegt die Kraft. Sie weckt das Begehren des Anderen, stärkt den Willen zur aktiven Gestaltung und schenkt einen gemeinsamen Rhythmus, in dem die Menschen einander wahrnehmen, sich aufeinander einstimmen und gemeinsam kreieren können. Mit welchen künstlerischen Werken und Formen lässt sich ein solcher Raum öffnen? Wie kann Kunst einen kreativen und ethischen Horizont der Dekolonialität entwerfen, in dem Erinnerung nicht nur zurückblickt, sondern zur Voraussetzung dafür wird, Zukunft neu zu denken?
